Kochen wie zur Uromas Zeiten

Es riecht nach altem Holz, an den Wänden hängen alte Bilder, in den Regalen stehen Kaffeemühlen mit Kurbeln und von elektrischen Geräten wie Spülmaschine, Kühlschrank oder Backofen keine Spur. Und wo ist eigentlich der Fernseher?

Ein ziemliches ödes Szenario könnte man meinen, doch die Klasse 1 b erkundete mit großen Augen und Euphorie die Räumlichkeiten des Kindermuseums, die wie vor 100 Jahren eingerichtet waren. Die Kinder durften sich für ein paar Stunden auf eine Reise zurück in die Zeit ihrer Uromas und Uropas begeben und sich dabei mit viel Körpereinsatz und allen Sinnen beteiligen. 

Die Aufgabenstellung klang zunächst recht einfach: „Wir kochen heute eine Kartoffelsuppe. Dazu gibt es Zitronenlimonade.“ Wie viele Arbeitsschritte tatsächlich hinter dem erst zu verdienenden Essen steckten, wurde aber nach und nach klar. Während eine Gruppe im „Kolonialwaren-Geschäft“ die Zutaten für die Suppe besorgte, versuchten sich die anderen darin, Feuer im Holzofen zu machen. Danach ging es ans Waschen, Schälen und Schneiden der Kartoffeln und Möhren. Andere Kinder wurden währenddessen nicht müde darin, mit viel Muskelkraft aus Sahne Butter für den Brotaufstrich zu machen. Für die Limonade wurden fleißig Zitronen gepresst und Zucker Stück für Stück abgetragen. Durch das fleißige Zusammenhelfen konnten im Handumdrehen die vorbereiteten Zutaten in den Kochtopf wandern, der jetzt nur noch 25 Minuten vor sich hin brodeln musste. In der Zwischenzeit begaben sich die Kinder weiter auf Entdeckungsreise und probierten alte Kleider an, schrieben auf Schiefertafeln, wogen Gemüse mit Gewichten ab und stempelten Briefe in der alten Poststation. 

 

Zurück zu Tisch erkannten die Kinder, dass sich die vorherige Arbeit gelohnt hatte: Genüsslich und mit sichtbarem Stolz aßen sie ihr selbst gebrautes Süppchen und die Butterbrote. Nachdem die Teller und Tassen geleert waren, wurden sich dennoch alle einig: Die Mühe hat sich gelohnt, aber auf eine Spülmaschine möchten wir trotzdem nicht mehr verzichten. 

Fotos: E. Schleicher